Ein Stadion trägt ihren Namen - Erika Fisch wird 85

Das Erika-Fisch-Stadion liegt nur zwei gute Speerwürfe vom Niedersächsischen Institut für Sportgeschichte (NISH) entfernt mitten im Sportpark Hannover. Mit der Umbenennung der früheren Mehrkampfanlage würdigte die Stadt Hannover Ende August 2009 eine ungewöhnlich vielseitige Leichtathletin. Denn Erika Claus-Fisch, die am 29. April 2019 ihren 85. Geburtstag feiert, zählte zwischen 1953 und 1965 gleich in fünf Disziplinen zur nationalen und internationalen Spitze.

Der ganz große Erfolg blieb der Jubilarin, die wegen einer schweren Krankheit seit einiger Zeit nicht mehr in der Öffentlichkeit auftritt, allerdings versagt. „Ich hatte immer das Pech, gut vorbereitet zu sein und im entscheidenden Moment kam etwas dazwischen“, erinnerte sie einmal an ihre Karriere. So wie bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne, als sie Favoritin im Weitsprung war, wegen eines Muskelrisses aber mit einer Oberschenkel-Bandage springen musste und auf Platz vier landete.

Ein Beinbruch, erlitten beim Skilaufen im März, verhinderte 1960 den Olympia-Start. Besser erging es ihr bei der EM 1962, als die schnelle Läuferin von Hannover 96 Silber mit der Sprint-Staffel sowie Bronze über 80-Meter-Hürden gewann. Als größten Erfolg bezeichnete Erika Fisch den Weltrekord, den sie 1956 in Dresden mit den drei DDR-Läuferinnen Christa Stubnick, Gisela Köhler-Birkenmeyer und Bärbel Meyer-Reinagel in der 4 x 100 Meter-Staffel aufstellte. Sie legte als Startläuferin des gesamtdeutschen Quartetts den Grundstein für die Zeit von 45,1 Sekunden - ein sportlich wie sportpolitisch bemerkenswertes Ereignis.

Insgesamt 21 nationale Titel sammelte „Fischlein“, wie die zierliche, 1,57 Meter große Frau genannt wurde. 1964 zeichnete der DLV die Vorzeige-Athletin mit dem Rudolf-Harbig-Preis aus. „Sie ist immer in Niedersachsen geblieben und war auch nach dem Ende ihrer Karriere bei vielen Veranstaltungen präsent“, sagte Rita Girschikofsky.

Die Ex-Präsidentin des Niedersächsischen Leichtathletik-Verbandes und Chefin des Stadtsportbundes Hannover hatte sich für die Umbenennung der schmucken Mehrkampfanlage eingesetzt. Erika Fisch selbst war davon zunächst nicht begeistert. „Ein Scherzbold hatte Erika erzählt, dass sie dafür Steuern zahlen müsste. Das wollte sie natürlich nicht“, erinnerte sich Girschikofsky mit einem Schmunzeln.

„Erika ist ein stets freundlicher und sehr umgänglicher Mensch“, würdigte NISH-Präsident Wilhelm Köster das Geburtstagskind. Beide kennen sich seit Jahrzehnten. Die Sportlerin erlebte als Ehefrau, Mutter und Lehrerin nicht nur glückliche Stunden. Ihr Mann Günter Claus starb 2003 nach langer Krankheit. Bevor sie in ein Alten- und Pflegeheim zog, löste Erika Fisch den Haushalt auf. Ihre beeindruckende Urkunden-Sammlung mit seltenen Exemplaren landete im NISH, unweit des Stadions, das ihren Namen trägt.

Peter Hübner