Zwei Sternstunden auf zwei Stadionrunden - Hildegard Falck-Kimmich feiert 70. Geburtstag

Hannover - Zwei bemerkenswerte Rennen haben die relativ kurze Sportkarriere von Hildegard Falck-Kimmich maßgeblich geprägt. Als erste Frau blieb die Mittelstreckenläuferin über 800 Meter unter zwei Minuten, und ein Jahr später gewann sie vor 80 000 begeisterten Zuschauern bei den Olympischen Spielen 1972 in München auf der gleichen Distanz die Goldmedaille - in fast identischer Zeit. Die aus dem kleinen Ort Nettelrede bei Bad Münder am Deister stammende Leichtathletin feiert am 8. Juni ihren 70. Geburtstag. Das NISH, das die Olympiasiegerin 1988 in seine Hall of Fame aufgenommen hat, wünscht seiner Ehrengaleristin für die Zukunft viel Glück und Gesundheit.

Die Jubilarin, die für Tuspo Bad Münder, Hannover 96 und den VfL Wolfsburg an den Start ging, lebt seit vielen Jahren mit ihrem zweiten Ehemann Klaus Kimmich – ein ehemaliger Moderner Fünfkämpfer und Arzt – in Südbaden. Den Kontakt in die niedersächsische Heimat hat die bewegungsfreudige Gesundheitssportlerin, die schon als Kind viel Spaß beim Springen, Laufen, Werfen, Schwimmen oder Handball hatte, nicht verloren. Den Humor auch nicht.

So erinnerte Falck-Kimmich einmal als Ehrengast beim „Tag der Tafel“ 2012 in Bad Münder an ihre ersten Trainingsläufe zwischen Ackerfurchen in der Feldmark von Nettelrede. „Der Bauer Merten hat mich damals für verrückt erklärt“, sagte sie und hatte damit die Lacher auf ihrer Seite.

Der große Trainingseifer des blonden Teenagers zahlte sich schnell aus. 1967 wurde die damalige Hildegard Janze deutsche Jugendmeisterin. 1970 holte sie im 96-Trikot den ersten von fünf nationalen Titeln, ehe ihr ein Jahr später in Stuttgart – nach der Heirat mit Wolfsburgs 800 Meter-Läufer Rolf Falck für den VfL laufend – ein sensationeller Coup gelang. Nach zwei Runden bei Temperaturen von mehr als 30 Grad stoppte die Uhr bei 1:58,5 Minuten.

„Der Jubel im Stadion war groß. Nur der Stadionsprecher hatte zunächst gar nicht registriert, dass ich Weltrekord gelaufen war“, berichtete Falck-Kimmich im Gespräch mit dem Laufmagazin SPIRIDON. 1972 konnte sie im Olympia-Endlauf die Schallmauer noch einmal durchbrechen. Nach einer taktischen Meisterleistung rannte sie in 1:58,6 Minuten zur ersehnten Goldmedaille.

Mit dieser Zeit hätte die Realschullehrerin 44 Jahre später in Rio 2016 immerhin noch Platz sieben im olympischen Endlauf belegt und wäre im Vorjahr mit riesigem Vorsprung deutsche Meisterin geworden. Als Olympia-Zugabe gab es in München noch Bronze mit der deutschen 4 x 400 Meter-Staffel und etwas später das Silberne Lorbeerblatt des Bundespräsidenten.

1974, im Alter von erst 25 Jahren, beendete Hildegard Falck-Kimmich ziemlich abrupt ihre aktive Laufbahn. Nicht nur die aufkommende Doping-Problematik verursachte ein ungutes Gefühl. „Es wurde immer schwieriger, Beruf und Sport zu vereinbaren. Die Athletinnen aus den Ostblockstaaten trainieren meist unter Profi-Bedingungen“, erläuterte sie später ihren Rücktritt.

6. Juni 2019, Peter Hübner