Abschied von Pelé, Seeler und Grabowski

Sportanhänger trauerten 2022 um Fußballstars, Olympiasieger, Weltmeister und Führungskräfte

Ehemalige Fußball-Stars wie Pelé und Uwe Seeler führen die Liste der Sportlerinnen und Sportler an, die im Jahr 2022 gestorben sind. Das Niedersächsische Institut für Sportgeschichte (NISH) erinnert in einer Übersicht an prominente und bekannte Aktive, Trainer, Funktionäre und Sportjournalisten.  Die Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Hannover – Zwei Tage vor dem Jahreswechsel verlor die internationale Sportwelt in Pelé ihr wohl prominentestes Mitglied 2022. Der brasilianische Fußall-Zauberer und dreifache Weltmeister von 1958, 1962 und 1970 starb am 29. Dezember an den Folgen einer Krebserkrankung, Pelé, der mit bürgerlichen Namen Edson Arantes do Nascimento hieß, wurde 82 Jahre alt. Der Stürmer des FC Santos erzielte in seiner Karriere mehr als 1000.  Er wird für immer zu den besten Spielern in der Fußball-Historie gehören.

Ein deutsches Sport-Idol und Publikumsliebling war Uwe Seeler. Der Torjäger und Kopfball-Spezialist wurde auch außerhalb seiner Heimatstadt Hamburg häufig nur „Uns Uwe“ genannt.  Der langjährige Stürmer des Hamburger SV und Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft ist am 21. Juli im Alter von 85 Jahren gestorben. Ein großer internationaler Titel blieb dem bodenständigen Stürmer verwehrt.  Seeler nahm an vier WM-Turnieren teilnahm und wurde jeweils einmal Zweiter (1966), Dritter (1970) und Vierter (1958).

Im Wembley-Finale 1966, das England 4:2 gewann, traf Seeler auch auf George Cohen. Der englische Verteidiger starb einen Tag vor Heiligabend. „Fulham-Spieler, Weltmeister, Gentleman“, steht auf einer Cohen-Statue vor dem Stadion des FC Fulham. Gleich zwei internationale Titel konnte der sehr populäre Flügelstürmer Jürgen Grabowski erringen. Der filigrane Techniker von Eintracht Frankfurt wurde 1972 Europameister und stand zwei Jahre später in München im WM-Finale beim 2:1-Sieg des DFB-Teams gegen die Niederlande. 

Grabowskis Tod am 10. März erschütterte vor allem die hessischen Fußballfans, die noch drei andere Verluste zu verkraften hatten. Der Österreicher Willi Huberts absolvierte 227 Bundesliga-Partien für die Eintracht. In Hans Weilbächer (Frankfurt) und Hermann Nuber (Kickers Offenbach) starben zwei Clublegenden, die sich am 28. Juni 1959 in Berlin im Endspiel um die deutsche Meisterschaft gegenüberstanden. Die Eintracht setzte sich in dem packenden Finale mit 5:3 nach Verlängerung durch.

Der DFB trauerte um Ex-Nationalspieler wie Wolfgang Fahrian und Leo Wilden, aber auch um seinen Ehrenpräsidenten Egidius Braun. Der Funktionär, der von 1992 bis 2001 an der Verbandsspitze stand und wegen seines sozialen Engagements viele Sympathien genoss, starb am 16. März mit 97 Jahren.

Von mehreren herausragenden Spielern des DDR-Fußballs mussten sich die ostdeutschen Fans verabschieden. Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner, Olympiasieger 1976, erlag mit 70 Jahren einem Krebsleiden. Der Kultspieler von Dynamo Dresden hatte als Trainer auch für den DFB und Werder Bremen gearbeitet.  Ähnlich populär war Joachim Streich, der für Hansa Rostock und den 1. FC Magdeburg auf Torjagd ging. Der „Gerd Müller des Ostens“ ist mit 55 Treffern der Rekordtorschütze des DDR-Teams und gewann Olympia- Bronze 1972. Unvergessen bleiben auch die Auswahlspieler Bernd Bransch, Jürgen Heinsch und Jürgen Nöldner, der zudem als Sportjournalist tätig war.

Im olympischen Sport sorgte die Todesnachricht der Allgäuerin Heidi Biebl für große Betroffenheit.  Die Skirennläuferin hatte 1960 in Squaw Valley als 19-Jährige unerwartet die Goldmedaille im Abfahrtslauf gewonnen. Mit ihrer unangepassten Art eckte sie zwar beim Verband an, avancierte aber zum Publikumsliebling. Einen Monat vor ihren 81. Geburtstag starb die Hotelbetreiberin aus Oberstaufen im Januar nach einer Operation im Klinikum Immenstadt.

Ruder-Olympiasieger Walter Schröder aus dem Deutschland-Achter 1960 sowie die Goldmedaillen-Gewinner Rolf-Dieter Amend (Kanuslalom), Bernhard Germershausen (Bobfahren) und Kathleen Nord (Schwimmen) jeweils im DDR-Trikot zählen zu den bekanntesten Verstorbenen im Sport. Das gilt auch für die Radprofis Hennes Junkermann, Herman Van Springel (Belgien), Davide Rebellin (Italien) und Bernd Rohr, für den Hamburger Profi-Boxer und Europameister Jürgen Blin, der sieben Runden gegen Muhammad  Ali im Ring stand, sowie für den mit 46 Jahren früh gestorbenen Basketball-Nationalspieler Ademola Okulaja.

 Der englische Star-Jockey und Galopptrainer Lester Piggott wurde 86 Jahre alt, die rumänische Handball-Legende Petre Ivanescu 85. Als Spieler wurde er zweimal mit seinem Heimatland Weltmeister, als Trainer nahm Ivanescu die deutsche Staatsbürgerschaft an und führte Gummersbach und Essen zur deutschen Meisterschaft. Erinnert sei auch an die ZDF-Sportjournalisten Dieter Gruschwitz und Karl Senne, an den Sporthistoriker und „Olympiaprofessor“ Norbert Müller sowie an den engagierten Doping-Bekämpfer Werner Franke.

Der Sport in Niedersachsen trauerte um den Behindertensportler Siegmund Hegeholz aus Bückeburg.  Der vielseitige Leichtathlet und Paralympics-Sieger im Speerwerfen starb im Alter von 62 Jahren. Auf tragische Weise endete das Leben des mehrfachen Amateurboxmeistes und EM-Zweiten Andreas Schnieders (55) aus Lingen. Geachtet und über die Landesgrenzen bekannt waren die Sportfunktionäre Wessel Lücke (Basketball/Göttingen), Gerald Lange (Basketball/Oldenburg) und Heinz Löwer (Tischtennis/Hannover).

Die verstorbenen Fußballspieler Jochenfritz Meinke (Hamburger SV), Horst Bertl (Hannover 96/Borussia Dortmund/Hamburger SV), Hans-Georg Dulz (Eintracht Braunschweig), Volker Graul (Arminia Bielefeld/VfL Osnabrück) und Rainer Scholz (Hannover 96) waren mehr als nur norddeutsche Größen. Meinke (1960) und Dulz (1967) wurden mit ihren Clubs deutscher Meister – Meinke vor 62 Jahren an der Seite von Uwe Seeler.

Peter Hübner, 2. Januar 2023