FESTAKT ZUM 75. DSB-JUBILÄUM IN HANNOVER

WEIKERT UND RAWE BETONEN AUTONOMIE DES SPORTS

Hannover – Mit einem Festakt hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) an die Gründung seiner Vorgängerorganisation Deutscher Sportbund (DSB) vor 75 Jahren in Hannover erinnert. Vor rund 110 geladenen Gästen blickte DOSB-Präsident Thomas Weikert am 10. Dezember 2025 in seiner Rede im Neuen Rathaus auf die Ereignisse zurück, die sich an gleicher Stelle auf den Tag genau im Jahr 1950 ereignet hatten. „Die Idee, alle Kräfte des Sports zu bündeln, hat sich bewährt“, erklärte Weikert und betonte, dass damals – fünf Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs – viele Gräben geschlossen werden mussten.

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay, der als Gastgeber im Hodlersaal amtierte, stellte heraus, dass vor 75 Jahren „an einem sonnigen Sonntag“ ein staatsferner Sportbereich gegründet werden sollte. An diesem Ziel wollen die Verantwortlichen von Sport und Politik auch in der heutigen Zeit festhalten. „Die Autonomie des Sports muss bewahrt bleiben. Der DOSB muss als Stimme des Sports ein starker, unabhängiger Partner der Politik bleiben“, forderte Reinhard Rawe, Vorsitzender des LandesSportBundes Niedersachsen (LSB), in einer abschließenden Talkrunde.

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay
Blick in den Hodlersaal

Aydan Özoguz, Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Sport und Ehrenamt, sowie Andreas Höfer, Direktor des Deutschen Sport und Olympiamuseums in Köln, betonten die historische Bedeutung der DSB-Gründung. „Es war eine Sternstunde des deutschen Sports, derer sich die Protagonisten damals nicht gewahr waren“, sagte Höfer. Er lobte zudem die nicht unproblematische Wahl von Willi Daume zum ersten DSB-Präsidenten. „Es war eine sehr gute Entscheidung, einen 37-Jährigen an die Spitze zu stellen“, fügte der Chef des Olympiamuseums hinzu.

Daume, der in seiner aktiven Zeit Handball und Basketball spielte und der von 1950 bis 1970 als DSB-Präsident und von 1961 bis 1992 als Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) amtierte, hätte sich über dieses Lob sicherlich gefreut. Allerdings war er auch 1937 des NSDAP beigetreten und lehnte eine kritische Aufarbeitung der Vergangenheit ab. Diese Position ist heute nicht mehr tragbar. „Der Sport muss sich der Vergangenheit stellen. Wir brauchen die Erinnerungskultur“, bekräftigte DOSB-Präsident Weikert. 

Musik des FlexEnsebles und ein sportlicher Überraschungs-Auftritt der Basketball-Damen des TKH Hannover, unter ihnen Olympiasiegerin Marie Reichert, rundeten den Festakt ab. Die Medienresonanz ließ allerdings zu wünschen übrig, vor allem im Printbereich. Obwohl der Oberbürgermeister ordentlich die Werbetrommel für die Sportstadt Hannover rührte – im nächsten Jahr finden die Finals in der niedersächsischen Landeshauptstadt statt – berichteten selbst die örtlichen Tageszeitungen nicht über das Sport-Jubiläum.

Basketball-Damen des TKH Hannover (die Luchse)
Basketball-Olympiasiegerin Marie Reichert


Text und Fotos: Peter Hübner (Vorstand NISH), 11.12.2025

GRÜNDUNG DES DSB VOR 75 JAHREN IM RATHAUS HANNOVER

EMPFANG IM KLEINEN RAHMEN AM 10. DEZEMBER

Eine große Feier zum 75. Geburtstag ist nicht vorgesehen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) begeht das Jubiläum seines Vorgängers Deutscher Sportbund (DSB), der am 10. Dezember 1950 im Rathaus Hannover gegründet wurde, mit einem Festakt am 10. Dezember 2025 im Hodlersaal. Redner wurden in der Einladung an die Medien namentlich nicht genannt, Grußworte werden aber von DOSB-Präsident Thomas Weikert, Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay und von Reinhard Rawe, Vorstandsvorsitzender des LandesSportBundes Niedersachsen (LSB), erwartet. Rawe ist auch Vorstandsmitglied beim Niedersächsischen Institut für Sportgeschichte (NISH) mit Sitz in Hannover, eine offizielle Einladung zum quasi Heimspiel erhielt das Sport-Dokumentationszentrum aber nicht. Dennoch blickt das NISH auf die durchaus spannenden Ereignisse zurück, die sich vor 75 Jahren in der Landeshauptstadt ereigneten.

Hannover –   Prälat Ludwig Wolker wurde gerne als „Der General“ bezeichnet. Der katholische Priester und Seelsorger, der von 1887 bis 1955 lebte und im deutschen Sport nicht nur als ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Jugendkraft (DJK) einen Namen hatte, pflegte mit klarer Kante seine bayerisch-barocken Art. „Die Gründung der Dachorganisation Deutscher Sportbund ist am Zehnten im Zwölften des Jahres 1950 Punkt 12 Uhr mit Einstimmigkeit vollzogen worden. Heil!“ Mit diesen markigen Worten gab Wolker als Versammlungsleiter das Ergebnis der Schlussabstimmung über die DSB-Satzung vor 75 Jahren bekannt. Der ersehnte neue Einheitsverband des Sports war damit fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs perfekt.

Turner und Fußballer leisten Vorarbeit

Fast 100 Delegierte von 23 Fachverbänden und 13 Landessportbünden hatten sich an diesem 10. Dezember 1950 im Hodlersaal des Rathauses in Hannover eingefunden. Sie quittierten die Worte des Kirchenmannes laut Protokoll „mit langanhaltendem Beifall“. Die Erleichterung war groß. Die Alliierte Militärregierung hatte zwar Ende 1945 die Gründung einer zentralen Sportorganisation über die Kreisgrenzen hinaus verboten. „Sie konnte aber entsprechende Initiativen der Sportbeauftragten in den neuen Ämtern und Behörden dennoch nicht stoppen“, schrieb Friedrich Mevert in seinem Buch „50 Jahre Deutscher Sportbund“.

Der ehemalige LSB-Hauptgeschäftsführer und NISH-Mitbegründer ist am 14. Oktober 2025 im Alter von 89 Jahren gestorben. Mevert hat in mehreren Publikationen die Geschichte und die Geschicke des DSB umfassend dargestellt. Der aus Bückeburg stammende Sportfachmann betonte dabei die besondere Bedeutung der Turner und Fußballer im Vorfeld der DSB-Gründung.

Bei mehreren interzonalen Konferenzen seit 1946 hatten sich die Vertreter der nach und nach gegründeten Landessportbünde und Fachverbände auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt. Besonders Frankfurts Oberbürgermeister Walter Kolb als Präsident des Deutschen Turner Bundes (DTB) sowie Peco Bauwens als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) stellten die Weichen.

Die Fußballer hatten bereits 18 Tage vor der Versammlung in Hannover ein besonderes Erfolgserlebnis gefeiert. Im ersten Länderspiel der Nachkriegszeit gewann das DFB-Team von Bundestrainer Sepp Herberger am 22. November 1950 in Stuttgart mit 1:0 gegen die Schweiz.  Dennoch konnte sich am 10. Dezember keiner der Sportführer ganz sicher sein, die mehrheitlich eine Aufteilung des Sports in verschiedene Lager (Arbeitersport, bürgerlicher Sport, konfessioneller Sport, Turnen) verhindern wollten.

Bis zum Schluss wurde nämlich um Macht, Einfluss, Posten und Positionen in der neuen Spitzenorganisation heftig gerungen. Selbst der Name Deutscher Sportbund (DSB) war umstritten. Er setzte sich gegen „Deutsche Sport-Union“ und andere Vorschläge wie „Deutscher Ausschuss für Leibesübungen“ durch. Der Turnerbund scheiterte mit seinen Anträgen, das Wort „Turnen“ im Namen der neuen Sport-Organisation oder zumindest im ersten Satz der DSB-Satzung einzubauen.

Willi Daume erster DSB-Präsident

Nach der Verabschiedung der Satzung standen die Wahlen zum ersten DSB-Präsidium auf dem Programm. Das Gremium umfasste einem Präsidenten, zwei Stellvertreter und bis zu zwölf Beisitzer. Der mächtige DFB zog in der Versammlung seinen Vorschlag Constanz Jersch für das Präsidentenamt zurück. Der 69 Jahre alte Fußball-Funktionär aus Bochum erschien vielen Delegierten wohl doch zu alt für einen Neuanfang. Damit war der Weg frei für Willi Daume. Der 37-jährige Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), ein Industrieller aus Dortmund, erhielt als einziger Kandidat in geheimer Wahl 64 von 84 Stimmen bei 18 Enthaltungen und zwei ungültigen Stimmzetteln.

Als erster Stellvertreter des DSB-Präsidenten wurde danach Heinrich Hünecke per Akklamation bestimmt. Der Vorsitzende des LSB Niedersachsen hatte in Hannover ein Heimspiel. Die Wahl zum zweiten Stellvertreter entwickelte sich zu einem Duell. Max Danz (Kassel), einflussreicher Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), siegte knapp mit 40 Stimmen gegen Oscar Drees (Bremen). Der frühere Arbeitersportler, der für den LSB Bremen und den Fachverband Turnen antrat, erhielt 37 Stimmen bei sieben Enthaltungen. Die Turner reagierten frustriert, jemand verwies auf die Wahlordnung. Die verlangte für den Sieg mindestens die Hälfte der abgegebenen Stimmen. Das wären 43. Ohne die Enthaltungen hätten 39 Stimmen genügt.

Geste von Danz in prekärer Lage

Der erfahrene Versammlungsleiter Wolker, der für die DJK nach Hannover gereist war und keinem Lager angehörte, erkannte eine „prekäre Lage“ und ordnete eine Pause an. Er schlug eine Stichwahl vor, das stieß aber bei den Delegierten nicht auf ungeteilte Zustimmung. Erst als Danz, Olympia-Teilnehmer von 1932 im 800 Meter-Lauf, von seinem Amt zurücktrat und empfahl, Drees als ehemaliges Mitglied des Arbeiter-Turn- und Sportbundes zu wählen, beruhigten sich die Gemüter. Der Bremer zierte sich zunächst, willigte dann aber in eine neue Wahl ein, die ihn einstimmig bei 18 Enthaltungen als zweiten Vizepräsidenten bestätigte.

Das Verhalten von Danz bewerteten Fritz Mevert und andere Historiker als „noble“ und „sportliche“ Geste. „Danz rettete die Situation“, erklärte im Jahr 2000 Bernhard Baier (Hannover), der als Präsident des Deutschen Schwimmverbandes Zeitzeuge der Ereignisse war. Die Geste entbehrt aber nicht einer gewissen Pikanterie. Denn während der Arzt aus Kassel in der Zeit des Nationalsozialismus der NSDAP beigetreten war und bis kurz vor Kriegsende im Krankenhaus arbeiten konnte, verlor der SPD-Politiker Drees seinen Job als Lehrer und wurde zweimal in ein Konzentrationslager gesteckt.

Doch über Politik wurde an diesem kalten Sonntag im Rathaus Hannover kaum gesprochen. Obwohl das Ende der Diktatur erst fünfeinhalb Jahre zurücklag, spielte die Frage, was man politisch zwischen 1933 und 1945 getan oder nicht getan hatte, kaum eine Rolle. Nur DSB-Präsident Daume machte eine Ausnahme. Er war 1937 in die NSDAP eingetreten. Nach Angaben des Historikers Jan C. Rode wurde er im Entnazifizierungsverfahren zunächst als „Mitläufer“, im zweiten Anlauf jedoch als „unbelastet“ eingestuft. „Es muss um alle Gegensätze einmal Ruhe sein. Es darf jetzt auch keinen Fall Diem mehr geben, mit allen möglichen Polemiken. Man muss auch vergessen können“, erklärte Daume in seiner Antrittsrede.

Niedersachsen/Bremen im Präsidium stark vertreten 

Für Danz erwies sich der Rücktritt vom Amt des Vizepräsidenten nicht als Nachteil. Im Gegenteil. Bei den Beisitzer-Wahlen erzielte er mit 75 Stimmen das beste Ergebnis, und in den folgenden Jahren amtierte das spätere DSB-Ehrenmitglied als Delegationsleiter bei den Olympischen Sommerspielen von 1952 bis 1972. Eine zweite faire Geste durch Georg Maier vom Landessportverband Bayern ermöglichte einen reibungslosen Verlauf der Beisitzer-Wahlen. „Als er schweren Herzens auf seine eigenen Ambitionen verzichtet, kann, als Nummer 7 der Beisitzerliste, der Berliner Gerhard Schlegel vorgeschlagen und schließlich gewählt werden“, berichtete Andreas Höfer in der DSB-Chronik: „Der Sport – ein Kulturgut unserer Zeit. 50 Jahre Deutscher Sportbund“

Während der DFB im ersten DSB-Präsidium überraschend fehlte, war Niedersachsen/Bremen mit fünf Vertretern überproportional vertreten. Neben den Vizepräsidenten Hünecke und Drees schafften auch Schwimm-Chef Bernhard Baier, Walter Wülfing (Hannover) als Präsident des Deutschen Ruderverbandes und Grete Nordhoff (Osterholz-Scharmbeck) den Einzug in die Sport-Regierung. Nordhoff gehörte als Vorsitzende des Frauenbeirats dem arg männerlastigen DSB-Präsidium offiziell erst seit Mai 1951 an.

Bis heute werden die DSB-Gründungsmitglieder gerne als „Männer der ersten Stunde“ bezeichnet. Die viel zitierte „Stunde Null“ ist da nicht allzu weit.  In der heutigen Zeit gilt diese Art der Geschichtsschreibung allerdings als verpönt. Doch die Herren, die sich damals im Hodlersaal getroffen hatten – benannt nach dem Schweizer Maler Ferdinand Hodler und geschmückt mit einem Wandbild unter dem Motto „Ein einig Volk von Brüdern“ – waren nicht unbedingt jung, dynamisch und bereit für einen konsequenten Aufbruch in eine völlig neue Zeit.

Daume lobt Karl von Halt

Die 15 Präsidiumsmitglieder waren am DSB-Geburtstag zwischen 37 und 63 Jahre alt. Alle hatten bereits Erfahrungen als Sportler und/oder Sportfunktionäre gesammelt – einige in der Weimarer Republik (1918- 1933), andere im Dritten Reich (1933 – 1945). Ein personeller Neuanfang fand deshalb nicht statt. Das zeigt nicht nur das Beispiel Willi Daume, der in seiner abschließenden Antrittsrede, als viele Delegierte bereits zum Bahnhof wollten, explizit seinem „verehrten Freund Karl von Halt“ würdigte. 

Karl Ritter von Halt hatte in der NS-Zeit unter anderem die Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen organisiert und war von September 1944 bis Kriegsende Reichssportführer. Nach der Rückkehr aus einem sowjetischen Internierungslager amtierte er von 1951 bis 1961 als Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK). Dem DSB-Präsidium gehörte er von 1952 bis 1962 an. Daume löste von Halt 1961 als NOK-Chef ab. Bereits 1954 hatte das damalige DSB-Präsidium Guido von Mengden zum Hauptgeschäftsführer berufen. Der ehemalige Generalreferent des Reichssportführers Hans von Tschammer und Osten war ebenfalls ein Mann mit NS-Vergangenheit und arbeitete eng mit dem ersten DSB-Präsidenten Daume zusammen.

Jubiläumsfeier in Hannover 

Trotz dieser mangelhaften Vergangenheitsbewältigung erwies sich der DSB in den Jahrzehnten nach seiner Gründung als Erfolgsmodell. Die politisch belasteten Sportführer brachten mit Erfolg ihre Organisations- und Führungsqualitäten ein. Breiten- und Leistungssport nahmen an Bedeutung zu, die Mitgliederzahlen stiegen auch dank Kampagnen wie „Trimm dich durch Sport“. Als größten persönlichen Erfolg verbuchte Daume die Vergabe der Olympischen Spiele 1972 nach München.

Hannover rückte noch zweimal in den besonderen Fokus der deutschen Sportpolitik. 1990 wurden am 14. Dezember die fünf neuen ostdeutschen Landessportbünde aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen und Sachsen in den DSB aufgenommen – diesmal im Kuppelsaal der Stadthalle. Den 50. Geburtstag feierte die Dachorganisation am 8. /9. Dezember 2000 mit einem Festakt im Hodlersaal und einer Festveranstaltung im Kuppelsaal, unter anderem mit Bundespräsident Johannes Rau. Am 20. Mai 2006 endete nach 56 Jahren die eigenständige Geschichte des DSB durch die Fusion mit dem NOK zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

Text: Peter Hübner, Dezember 2025

Rückschau NISH-Veranstaltung “Aufbau eines Vereinsarchivs“

Am 3. November führte das NISH im LandesSportBund Niedersachsen eine Veranstaltung zum Aufbau eines Vereinsarchiv durch. Das im Rahmen des Qualifix-Programms der LSB-Akademie des Sports für Vereine durchgeführte Seminar richtete sich an Sportvereine, die ein Archiv aufbauen oder ihr Archiv ordnen wollen. 2018 hatte das NISH mit dem LSB bereits schon einmal eine entsprechende Veranstaltung angeboten.

Jeder Verein, ob 50, 100 oder 150 Jahre alt, besitzt (historische) Protokolle, Satzungen, Statistiken, Mitgliedslisten, Korrespondenzen, Fotos und andere Verwaltungsunterlagen. Sie sollten sicher aufbewahrt, verzeichnet und bei Bedarf verwendet werden können. Oft fehlt aber der Platz. Manchmal sind die Unterlagen auch gar nicht mehr vorhanden. Oder niemand weiß, wo sie sind oder was in ihnen enthalten ist. Häufig fühlt sich auch niemand zuständig für alte Vereinsunterlagen.

Das Niedersächsische Institut für Sportgeschichte (NISH) – mit einem eigenen Archiv von ca. 500 Regalmetern Umfang – hat in seiner knapp zweistündigen Informationsveranstaltung praktische Tipps für Aufbau, Aufbewahrung, Ordnung, Inventarisierung und Pflege eines funktionierenden Archivs gegeben und mit den zwölf anwesenden Vereinsmitgliedern auch individuelle Situationen und Problemlagen in ihren Vereinen durchgesprochen.

Zu den wichtigen Themen gehörten die Beauftragung einer zuständigen Person und deren dauerhaften Unterstützung durch den Vorstand, die dauerhafte Lagerung von Archivgut, Aussortierung und Bestimmung von relevantem Archivgut und die professionellen Ansprechpartner in der Nähe wie z.B. geografisch zuständige kommunale Archive. Längere Diskussionen gab es zu den aktuellen Möglichkeiten der Digitalisierung von Akten sowie deren Sicherung und Aufbewahrung. Besonders wichtig für die Teilnehmer war die Möglichkeit, sich untereinander über die jeweilige Situation und Sachlage austauschen zu können.

Das NISH berät und unterstützt Vereine, die ihr Archiv aufbauen und ordnen wollen. In bestimmten Fällen ist eine Begehung vor Ort in den Vereinsarchiven möglich. Außerdem ist über eine im NISH eine Broschüre zur Pflege eines Vereinsarchivs erhältlich, die wesentliche Punkte des Themas zusammenfasst und erläutert.

Kontakt:

Niedersächsisches Institut für Sportgeschichte e.V.

Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg 10

30169 Hannover

Telefon 0511-1268 5060

E-Mail: info@nish.de / Homepage: www.nish.de

Öffnungszeiten:

Dienstag und Mittwoch 9.00 bis 15.00 Uhr

Donnerstag 9.00 bis 14.00 Uhr

und nach Vereinbarung

Trauer um Fritz Mevert

Früherer LSB-Hauptgeschäftsführer und NISH-Mitbegründer stirbt in Hannover

Foto: Privat

Hannover – Der Sport in Deutschland und Niedersachsen trauert um Friedrich „Fritz“ Mevert. Der langjährige Hauptgeschäftsführer des LandesSportbundes Niedersachsen (LSB) und Mitbegründer des Niedersächsischen Instituts für Sportgeschichte (NISH) ist tot. Nach Angaben seiner Familie starb Mevert, der als wichtiger Initiator und Chronist des deutschen Sports gilt, am 14. Oktober 2025 in Hannover. Der gebürtige Niedersachse aus Bückeburg wurde 89 Jahre alt.

„Friedrich Mevert lebte die Werte des Sports: Teamgeist, Solidarität und Miteinander“ erklärte der LSB-Vorstandsvorsitzende Reinhard Rawe zum Tod eines Mannes, der mehr als 20 Jahre lang die Geschicke des Sports in Niedersachsen maßgeblich mitbestimmte. „Er stellte nie sich selbst, sondern stets die Sache in den Mittelpunk“, fügte der LSB-Chef hinzu. NISH und LSB werden Mevert in guter Erinnerung behalten.

Seine Laufbahn als Sportfunktionär hatte Mevert bereits 1952 im Vorstand seines Heimatvereins VfL begonnen. Der talentierte Tischtennisspieler war auch in andere Sportarten aktiv, ehe er 1962 als Geschäftsführer der Deutschen Sportjugend zum Deutschen Sportbund (DSB) nach Frankfurt/Main wechselte. Dort engagierte er sich mit Erfolg für den Jugendaustausch mit Israel und Japan. Zudem schuf er die Basis für die Sozialarbeit im Sport.

Von 1978 bis 1997 kehrte er als LSB-Hauptgeschäftsführer nach Niedersachsen zurück. „Mevert hat über 50 Jahre lang die verschiedensten Ereignisse und Entwicklungen des Sports in journalistischen Beiträgen aufgezeichnet – ein ebenso breites wie voluminöses Arbeits- und Leistungspaket, das wir als ‚einmalig‘ für den deutschen Sport bezeichnen und schätzen können“ würdigte der NISH-Vorsitzende Detlef Kuhlmann den publizistischen Einsatz des Vielschreibers.

Neben zahlreichen Sammelbänden und Monografien bleibt vor allem das Standardwerk „50 Jahre Deutscher Sportbund: Geschichte – Entwicklungen / Persönlichkeiten“ in Erinnerung. Das Buch aus dem Jahr 2002 umfasst 463 Seiten und veranlasste den langjährigen DSB-Pressechef Harald Pieper dazu, den Autor Fritz Mevert als „Glücksfall für die sportliche Geschichtsschreibung“ zu bezeichnen.

Nach 1998 arbeitete der Sportfunktionär als Sonderbeauftragter des Niedersächsischen Innenministeriums für den Sport bei der Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover. Und auch nach dem Ende seiner offiziellen Dienstzeit blieb Mevert dem Sport verbunden. Bis 2011 brachte er seine Expertise und Erfahrung für den NISH-Vorstand ein. Ein Jahr später nahm ihn das Dokumentationszentrum in seine NISH-Hall of Fame auf.

Zahlreiche andere Ehrungen würdigten den Verstorbenen zu seinen Lebzeiten für seinen großen Einsatz. Er erhielt unter anderem das Bundesverdienstkreuz am Bande, die Dr. Bernhard-Zimmermann-Plakette des NISH sowie die Ludwig-Wolker-Medaille des DSB.

In den vergangenen Jahren verschlechterte sich der Gesundheitszustand des in Hannover lebenden Sport-Anhängers allerdings sehr. Mevert konnte auch nicht mehr an den NISH-Veranstaltungen teilnehmen. Er hinterlässt seine Ehefrau Monika sowie drei Kinder Susanne, Sybille und Fritjof samt dessen Familien.

Text: Peter Hübner (NISH Vorstand), Oktober 2025

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