Verstorbene Sportlerinnen und Sportler im Jahr 2023 – Von Rosi Mittermaier bis Peter-Michael Kolbe

Hannover – Für die Sportfans begann das Jahr 2023 mit einer traurigen Nachricht. Bereits am 4. Januar starb in Garmisch-Partenkirchen Rosi Mittermaier. Die populäre Skirennläuferin, die 1976 bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck zwei Goldmedaillen und eine Silber-Plakette gewonnen hatte, zählte zeitlebens zu den prominentesten Sportlerinnen in Deutschland. Ihre Beliebtheit blieb auch nach dem Ende der Karriere sehr hoch. Die „Gold-Rosi“ wurde 72 Jahre alt.

Neben Rosi Mittermaier mussten sich die Sport-Anhänger im ausgehenden Jahr von zahlreichen anderen Top-Athletinnen und Athleten, von bekannten Sportfunktionären, Trainern oder Sportreportern verabschieden. Das Niedersächsische Institut für Sportgeschichte (NISH) in Hannover hat auch für 2023 eine Liste der Verstorbenen im In- und Ausland zusammengestellt. Sie erhebt wie in den Vorjahren keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Ähnlich wie die aus Bayern stammende Sportlerin des Jahres 1976 zählte auch Peter Michael Kolbe zu den Sport-Ikonen in der Bundesrepublik. Der fünfmalige Ruder-Weltmeister im Einer gewann drei olympische Silbermedaillen. Das ersehnte Gold blieb im dreimal aber verwehrt. Seine drei Final-Niederlagen gegen den Finnen Pertti Karppinen (1976/Montreal, 1984/Los Angeles) und gegen den DDR-Ruderer Thomas Lange (1988/Seoul) sind dennoch Teil der deutschen Sportgeschichte.

Kolbe wurde 1975 zum deutschen Sportler des Jahres gewählt. Nach dem Ende seiner aktiven Zeit arbeitete er auch für vier Jahre als Sportdirektor des Deutschen Ruderverbandes (DRV) im DRV-Büro am Maschsee in Hannover, unweit des NISH-Instituts. Am 8. Dezember ist der Ausnahmeruderer mit 70 Jahren in einem Pflegeheim in Lübeck verstorben.

Der DRV trauerte zudem um zwei Olympiasieger von 1960 in Rom. Willi Padge, der Steuermann des legendären Deutschland-Achters, wurde 79 Jahre alt. Kraft Schepke, der mit seinem Bruder Frank Schepke im Gold-Achter saß, starb mit 89 Jahren in Kiel. Der Diplom-Sportlehrer hatte unter anderem für die Landessportbünde in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gearbeitet.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) verlor im Sommer innerhalb eines Monats die beiden letzten lebenden Medaillengewinner der Olympischen Spiele 1952 in Helsinki. Der Vielseitigkeitsreiter Wilhelm Büsing, der in Finnland Silber mit dem Team und Bronze im Einzel gewann, starb mit 102 Jahren in der Wesermarsch. Die Dortmunder Kugelstoßerin und Diskuswerferin Marianne Werner-Ader wurde 99 Jahre alt. Die Sportlerin des Jahres 1958 in der Bundesrepublik stand 1952 in Helsinki als Zweite und 1956 in Melbourne als Dritte zweimal auf dem Olympia-Podest im Kugelstoßen. Später arbeitete sie als Professorin für Sportwissenschaften.

In der Leichtathletik zählten Olympiasiegerinnen wie die Speerwerferin Ruth Fuchs, Hochsprung-Ikone Dirk Fosbury (USA), Sprint-Olympiasieger Jim Hones oder der dreimalige Weltmeister und Hürdensprinter Greg Foster (beide USA) zu den bekanntesten Verstorbenen. Große Bestürzung löste der Krebs-Tod des Stabhochspringers Tim Lobinger aus. Der ehemalige Hallenweltmeister wurde nur 50 Jahr alt. Ähnlich groß war das Mitgefühl beim Tod der populären Mittelstreckenläuferin Ellen Wessinghage. Die Sportlerin des Jahres 1975 starb nach langer Krankheit mit 75 Jahren.

Werder Bremens Rekord-Spieler Horst-Dieter Höttges – er absolvierte 420 Partien in der Fußball-Bundesliga – schloss mit 79 Jahren die Augen. In seiner langen Laufbahn nahm der robuste Abwehrspieler an drei WM-Turnieren teil. Beim Heimturnier 1974 kam er nur einmal zum Einsatz, konnte sich danach aber Weltmeister nennen.

1966 stand Höttges im legendären Wembley-Finale gegen den siegreichen Gastgeber England auf dem Platz und traf dort auch auf Bobby Charlton. Englands Fußball-Legende, für viele Fans das größte Idol überhaupt, starb gut vier Monate nach Höttges im Alter von 86 Jahren. Neben den beiden Weltmeistern ist auf internationaler Ebene vor allem Just Fontaine zu nennen. Der aus Marokko stammende Stürmer führte Frankreich bei der WM 1958 mit 13 Toren auf Rang drei. Er wurde 89 Jahre alt.

Die Fußball-Bundesligaclubs nahmen Abschied von mehreren beliebten Spielern und Trainern. Dazu zählen Profis wie Hans Rebele, Friedel Lutz, Karl-Heinz Mülhausen, „Buffy“ Ettmayer, Klaus Täuber, Günter Herrmann, Lorenz Horr und Rolf Geiger. Als Coaches waren Slobodan Cendic, Lothar Buchmann und Diethelm Ferner für mehrere Clubs aktiv.

In vielen anderen Sportarten wie Radsport (Toursieger Federico Bahamontes, Renato Longo, Klaus Bugdahl), Handball (Hansi Schmidt), Rodeln (Olympiasieger Klaus-Michael Bohnsack), Reiten (Heinrich Wilhelm Johannsmann) Tischtennis (Diane Schöler), Boxen (René Weller) oder Eiskunstlaufen (Erfolgstrainerin Jutta Müller) traten namhafte Sportlerinnen und Sportler ab. Auch zwei prominente Sportmoderatoren aus Ost und West starben. DDR-Reporter-Urgestein Heinz-Florian Oertel wurde 95 Jahre alt, ARD-Sportschau-Legende Ernst Huberty folgte ihm gut einen Monat später mit 96 Jahren.

Namensliste der Toten im Sport 2023

04.01: Rosi Mittermaier, Skirennläuferin, Olympiasiegerin 1976 /72 Jahre/

04.01: Hans Rebele, Fußball, Deutschland, 1860 München /79/

05.01: Gianluca Vialli, Fußball, Italien /58/

10.01: Traudl Hecher, Skirennläuferin, Österreich /79/

13.01: Klaus Schorn, Handball-Manager, TUSEM Essen /88/

30.01: Gerald Mortag, Bahnradsportler, Weltmeister, DDR /64/

03.02: Hans Gielchen, Fußball, Köln, Duisburg /58/

05.02: Hans-Dieter ‚Hansi‘ Schmidt, Handball-Nationalspieler /80/

07.02: Friedel Lutz, Fußball, Deutschland, Eintracht Frankfurt /84/

08.02: Elena Fanchini, Skirennläuferin, Italien /37/

16.02: Tim Lobinger, Stabhochspringer, Hallen-Weltmeister /50/

17.02: Karl-Heinz Mülhausen, Fußball, Mönchengladbach, Hannover 96 /85/

19.02: Greg Foster, Hürdensprinter, Weltmeister, USA /64/

26.02: Bob Richards, Stabhochspringer, Olympiasieger, USA /97/

01.03: Just Fontaine, Fußball, Frankreich, WM-Dritter 1958 /89/

02.03: Josef Reif, Eishockey-Nationalspieler /85/

03.03: Argentina Menis, Diskuswerferin, Rumänien /74/

05.03: Klaus-Michael Bonsack, Rodeln. Olympiasieger, DDR /81/

12.03: Dick Fosbury, Hochspringer, Olympiasieger 1968, USA /76/

15.03: Horst-Fredo Henze, Fußball-Funktionär, Hannover 96 /90/

18.03: Heinz Steinmann, Fußball, Deutschland, Saarbrüchen, Bremen /85/

19.03: Gottfried Kustermann, Sportschütze, Vier WM-Titel /79/

25.03: Hans Richter, Fußball, DDR-Auswahlspieler /63/

27.03: Heinz-Florian Oertel, Sportreporter, Moderator, DDR /95/

01.04: Johann ‚Buffy‘ Ettmayer, Fußball, Stuttgart, Hamburg, Österreich /76/

06.04: Walter Jasper, Sportreporter, Radio Bremen /80/

23.04; Tori Bowie, Sprinterin, Team-Olympiasiegerin 2016, USA /32/

24.04: Ernst Huberty, Sportjournalist, ARD-Sportschau /96/

30.04: Ralph Boston, Weitspringer, Olympiasieger 1960, USA /83/

 03.05: Ronald Raue, Tischtennisspieler DDR, DTTB-Trainer /78/

03.05: Josef ‚Sepp‘ Lenz, Rennrodler, Bundestrainer /88/

09.05: Antonio Carbajal, Fußball-Torwart, Fünf WM-Teilnahmen, Mexiko /93/

16.05: Per Röntved, Fußball. Bremen, Dänemark /74/

19.05: Jan Olsson, Fußball, Stuttgart, Schweden /79/

19.05: Heinrich Wilhelm Johannsmann, Springreiter /71/

20.05: Richard McDermott, Eisschnelllauf, Olympiasieger 1964, USA /82/

30.05: Karl-Heinz Ferschl, Fußball, Nürnberg, Hertha BSC /78/

03.06: Jim Hines, Sprinter, Olympiasieger 1968, USA /76/

08.06: Renato Longo, Radsportler, WM-Querfeldeinfahren, Italien /85/

11.06: Jean Wicky, Bobfahrer, Olympiasieger, Schweiz /89/

16.06: Gino Mäder, Radsportler, Tod bei Tour de Suisse /26/

19.06: Diane Schöler, Tischtennis-Weltmeisterin, England, Deutschland /90/

22.06: Horst Dieter Höttges, Fußball, WM 1974, EM 1972, Bremen /79/

22.06: Frank Birkefeld, Handball-Funktionär /82/

25.06: Wilhelm Büsing, Vielseitigkeitsreiter, Zwei Olympia-Medaillen 1952 /102/

28.06: Harry Klugman, Vielseitigkeitsreiter /82/

01.07: Klaus Täuber, Fußball, Spieler, Trainer, Schalke, Nürnberg /65/

09.07: Luis Suarez, Fußball, Spieler, Trainer, Spanien /88/

11.07: Sepp Behr, Skirennläufer /93/

22.07: Marianne Werner-Ader, Kugelstoßerin, Zwei Olympia-Medaillen 1952/1956 /99/

22.07: Günter Herrmann, Fußball, Deutschland, Karlsruhe, Schalke /83/

24.07: Trevor Francis, Fußball, England, Nottingham /69/

29.07: Gerhard ‚Amigo‘ Elfert, Fußball, Arminia Hannover, Gladbach, Braunschweig /80/

01.08: Dirk Hordorf, Tennis-Funktionär, Trainer /67/

08.08: Federico Bahamontes, Radsportler, Tour-Sieger 1959, Spanien /95/

10.08: Klaus Rost, Ringen, Olympia-Zweiter 1964 /83/

12.08: Henner Misersky Leistungssportler, Skilanglauf-Trainer, Dopingbekämpfer /82/

15.08: Klaus Bugdahl, Radrennfahrer, Sechstagerennen /88/ (Tod wurde am 15. August bekannt)

17.08: John Devitt, Schwimmen, Olympiasieger, Australien /86/

17.08: Klaus Bohnsack, Fußball, Hannover 96, /83/

19.08: Lorenz Horr, Fußball, SV Alsenborn, Hertha BSC /80/

22.08: René Weller, Boxen, Amateure, Profis /69/

22.08: Tom Courtney, Mittelstreckenläufer, Olympiasieger 1956, USA /90/

27.08: Roman Köster, Sportjournalist /85/

30.08: Jan Jongbloed, Fußball, Torwart, Niederlande /82/

04.09: Filip Minarik, Jockey, Tschechien /48/

17.09: Willi Padge, Rudern, Steuermann, Olympiasieger 1960 /79/

19.08: Slobodan Cendic, Fußballtrainer, u.a. Saarbrücken, Schalke, Hannover /85/

20.ß9: Ruth Fuchs, Speerwerferin, Olympiasiegerin 1972/1976, DDR /76/

21.09: Sabine Bothe, Handball-Weltmeisterin 1993 /63/

02.10: Francis Lee, Fußball, England, Manchester City /79/

07.10: Ellen Wessinghage, Mittelstreckenläuferin /75/

09.10: Gerhard Grimmer, Skilangläufer, Weltmeister, DDR /80/

14.10: Jan Dalgic, Eishockey-Torwart, Hannover Indians /25/

21.10: Bobby Charlton, Fußball-Weltmeister 1966, England /86/

22.10: Willibald Weiss, Fußball, RW Essen, Darmstadt /75/

27.10: Wiktor Mamatow, Biathlon, Olympiasieger, UdSSR-Staffel /86/

30.10: Walter Adams, Leichtathlet, Mittelstreckenläufer /78/

31.10: Oleg Protopopow, Eiskunstläufer, Olympiasieger Paarlauf, UdSSR/Schweiz /91/

02.11: Jutta Müller, Eiskunstlauf-Trainerin /94/

07.11: Diethelm Ferner, Fußballspieler, Bundesliga-Trainer /82/

12.11: Kraft Schepke, Ruderer, Achter-Olympiasieger 1960 /89/

18.11: Ruud Geels, Fußball, Niederlande /75/

21.11: Lothar Buchmann, Fußball, Bundesliga-Trainer /87/

25.11: Terry Venables, Fußball-Spieler und Trainer in England und Spanien /80/

28.11: Agyemang Diawusie, Fußball, Jahn Regensburg /25/

29.11: Rolf Geiger, Fußball, Deutschland, VfB Stuttgart /89/

08.12: Peter-Michael Kolbe, Ruderer, fünfmal Einer-Weltmeister /70/

Text: Peter Hübner, 12.12.2023