Kein Ausschluss aus Hall of Fame des deutschen Sports

Historiker-Kommission bewertet Umgang mit Mitgliedern aus der NS-Zeit unterschiedlich

In der Hall of Fame des deutschen Sports werden die Biographien mehrerer Mitglieder mit einer NS-Vergangenheit aktualisiert. Nach der Empfehlung einer fünfköpfigen Historiker-Kommission soll es aber keine Ausschlussverfahren geben. Das erklärte Sporthilfe-Vorstandsmitglied Max Hartung bei der Präsentation der Studienergebnisse in Berlin. Die Wissenschaftler waren aber nicht in allen Fragen einer Meinung.

Berlin – Die Hall of Fame des deutschen Sports wird keine Mitglieder rauswerfen, deren Lebensläufe bis in die Zeit des Nationalsozialismus zurückreichen. Nach dem derzeitigen Stand sind unter den 131 Geehrten in der Sport-Ruhmeshalle 15 Personen, die zwischen 1930 und 1945 Mitglieder der NSDAP waren. Ihre Biografien sollen mit neuen Erkenntnissen über ihre Verstrickungen in der NS-Zeit überarbeitet werden. Die Texte sind auf der Hall of Fame-Homepage im Internet nachzulesen.

Auf diesen Modus haben sich eine fünfköpfige Experten-Kommission sowie die Stiftung Deutsche Sporthilfe, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) als die drei Träger der 2006 initiierten Hall of Fame geeinigt. Die Historiker waren verpflichtet worden, nachdem im März 2024 der Journalist Armin Jäger in der ‚Süddeutschen Zeitung“ dargestellt hatte, dass nicht nur fünf Personen, sondern 15 Geehrte ehemalige Mitglieder der NSDAP waren.

Jäger hatte unter anderem auf die Parteieintritte der Reitsport-Legende Hans Günter Winkler und der Wimbledon-Siegerin Cilly Aussem verwiesen. Die Expertengruppe mit Sporthistoriker Dr. Berno Bahro von der Universität Potsdam, Dr. Jutta Braun, Historikerin und Abteilungsleiterin am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, Sporthistoriker und freier Journalist Erik Eggers, Sporthistoriker Prof. em. Dr. Manfred Lämmer von der Deutschen Sporthochschule Köln und Prof. i.R. Dr. Hans-Joachim Teichler, ehemaliger Leiter des Arbeitsbereiches Zeitgeschichte des Sports im Institut für Sportwissenschaft der Universität Potsdam, bewertete in den vergangenen Monaten die Lebensläufe der betreffenden Mitglieder.

„Hierbei wurde sowohl der jüngste methodische Umgang der Zeitgeschichte mit dem Feld der NS-Belastungen in Institutionen und Gesellschaft im Allgemeinen wie auch der aktuelle Erkenntnisstand sporthistorischer Forschungen zum Nationalsozialismus und seiner Nachgeschichte berücksichtigt“, heißt es in einer Stellungnahme der Expertenkommission. Bei einer gemeinsamen Präsentation der Studienergebnisse am 15. September 2025 im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin wurden zudem unterschiedliche Sichtweisen der Historiker deutlich.

„Ich hätte drei Personen aus der Hall of Fame ausgeschlossen“, erklärte Erik Eggers. Für den Sportjournalisten, der die Untersuchung leitete, verstoßen der Radsportler und Trainer Gustav Kilian, der Ruder-Olympiasieger Gustav Schäfer (SA-  und NSDAP-Mitglied) sowie Ruder-Legende Karl Adam gegen das Leitbild der Hall of Fame, Bei dem erfolgreichen Trainer sei es aber weniger die politische Vergangenheit, sondern dessen fragwürdige Haltung in der Doping-Frage, die für Eggers der Anlass für einen Ausschluss wären.

Letztlich setzte sich Eggers, der auch Mitglied beim Niedersächsischen Institut für Sportgeschichte (NISH) ist, mit seiner Auffassung in der Kommission aber nicht durch. „Wenn wir uns von drei Personen trennen, müssen wir auch andere ausschließen. Ausschluss führt zu vertuschen der politischen Verwicklungen des Sports“, erklärte Jutta Braun. Sie verwies auf die Zukunft. Damit aus der Ruhmeshalle des Sports keine Halle der Schande wird, seien für zukünftige Aufnahmen von Personen in die Hall of Fame Leitbild-Regeln wie ein Bekenntnis zur demokratischen Grundordnung oder eine klare Haltung gegen Doping unumgänglich.

Problematisch wird weiterhin der Umgang mit den zahlreichen Weltklasse-Sportlern und -Sportlerinnen aus der früheren DDR bleiben. Moderator Anno Hecker von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) verwies bei der Thematik fast notgedrungen auf den Fall Gustav Adolf „Täve“ Schur. Seit fast zwei Jahrzehnten wird der Radsportlegende der DDR die Aufnahme in die Hall of Fame verweigert. „Täve hat die Aufnahme verdient“, urteilte Box-Trainer Ulli Wegner, seit 2023 selbst Mitglied der Hall of Fame und Gast bei der Diskussion in Berlin.

Ob es bei dem seit fast 20 Jahren existierenden Namen bleibt, ist angesichts kritischer Hinweise über die weitere historische Aufarbeitung keineswegs sicher. Sporthilfe-Vorstandssprecher Max Hartung schloss eine Diskussion über die Umbenennung der Hall of Fame zumindest nicht grundsätzlich aus.

Von links nach rechts: Anno Hecker, Jutta Braun, Hans-Joachim Teichler, Manfred Lämmer, Berno Bahro, Erik Eggers

Foto und Text: Peter Hübner (NISH), September 2025