Auf Einladung des Kultur- und Sportwissenschaftlers Prof. Dr. Sven Güldenpfennig (Vohburg an der Donau, früher Berlin) kamen Ende Juli 2026 „alte“ akademische Wegbegleiter und Experten zu einem „Sportpolitischen Forum“ beim Landessportbund Niedersachsen in Hannover zusammen, um sich in Vorträgen und Diskussionen über aktuelle sportpolitische Themen auszutauschen, darunter waren auch solche mit sporthistorischen Bezügen.
Zu den eingeladenen Gästen gehörten neben dem Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats, Christian Becker, und des Geschäftsführers des NISH, apl. Prof. Dr. Dr. Bernd-Wedemeyer-Kolwe, mit dem LSB-Vorstandsvorsitzenden Reinhard Rawe und Prof. Dr. Detlef Kuhlmann als NISH-Vorsitzender auch zwei amtierende Mitglieder des Vorstandes des NISH. Reinhard Rawe und Prof. Dr. Detlef Kuhlmann waren sogar jeweils mit Vorträgen im Einsatz:
In seinem mit viel Applaus bedachten Einleitungsreferat stellte Reinhard Rawe, der im November dieses Jahres aus Altersgründen nach über 40-jähriger Tätigkeit im LSB ausscheidend, die fundamentale Frage: „Wo steht die Partnerschaft zwischen Sport und Staat?“ Dazu bot er differenzierte Einblicke in das bestens bewährte Zusammenwirken im Land Niedersachsen auf dem Gebiet des Sports an und stelle dabei insbesondere die Ordnungsprinzipien Autonomie und Subsidiarität als wichtige Leitplanken für die erfolgreiche Zusammenarbeit dar.
Zu den Referenten gehörte mit Henning Schreiber (Düsseldorf) auch der stellvertretende Abteilungsleiter Sport und Ehrenamt in der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen; er widmete sich jenseits der ökonomischen Renditen der aktuellen Frage, warum wir Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland brauchen und wer darauf eine Antwort zu geben hat.
Der Hamburger Sporthistoriker und Pädagoge Jürgen Kowaleswki zeichnete die Karriere und die politischen Verstrickungen des einstigen norwegischen Fußballstars Asbjörn Halvorsen nach, der während der Nazizeit beim Hamburger SV (HSV) spielte. Ausgangspunkt seiner Studie war ein Projekt, das er zusammen mit Schülerinnen und Schülern durchgeführt hatte und in dem Versuch endete, in der Nähe des heutigen HSV-Stadions eine Straße nach Halvorsen (1898-1955) zu benennen.
Sven Güldenpfennig, der u.a. früher in Berlin am Wannsee das Deutsche Olympische Institut leitete und Gastprofessuren und Lehraufträge u.a. an den Universitäten in Münster, Hamburg, Potsdam, Göttingen und an der Deutschen Sporthochschule Köln inne hatte, nahm in seinem Vortrag das fast schon geflügelte Wort: „Es muss sich was ändern!“ zum Anstoß, um das weit verbreitete Unbehagen in der Kultur angesichts der zunehmenden politischen Verwüstungen durch die AfD zu inspizieren und nach zukunftsträchtigen Lösungen zu suchen. Dazu gehörte auch sein „Appell zur gemeinwohlorientierten Selbstmobilisierung“.
Im allerletzten Beitrag des Forums ging es dann um den 82-jährigen Sven Güldenpfennig als schreibfleißigen Autor und damit um sein immenses Publikationsaufkommen seit 1970: „Es gilt das gedruckte Wort. Zum Werk von S. G.“ lautete der Titel der Würdigung von Detlef Kuhlmann (früher Sportpädagoge am Institut für Sportwissenschaft der Leibniz Uni Hannover), der ausgewählte Tiefenbohrungen aus den 20 Bänden der von Sven Güldenpfennig selbst herausgegebenen und verfassten Reihe „Sport als Kultur – Studien zum Sinn des Sports“ (arete Verlag Hildesheim) vornahm. Beide hatten sich übrigens Mitte der 1970er Jahre auf einer Vollversammlung (VV) des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes (adh) kennengelernt: Güldenpfennig war damals Leiter des Zentrums für Hochschulsport der TU Berlin und Kuhlmann als Delegierter und studentischer Sportreferent der Uni Bielefeld bei der adh-VV dabei.
Ein Tagungsband mit allen Referaten ist in Vorbereitung.
Text: Prof. Dr. Detlef Kuhlmann (Vorsitzender NISH)


