Ende letzter Woche erreicht uns die Nachricht, dass unser Bremer Mitglied Dr. Peter Wetjen am 1. August überraschend gestorben ist.
Neben vielen anderen auch ((kunst)historischen Interessen und Funktionen, die der 1947 geborene Peter Wetjen innehatte und die ihn beschäftigten, war der leidenschaftliche Ruderer des Bremer Rudervereins von 1882 auch sehr an Sportgeschichte interessiert. 2013 trat er unserem Verein bei. 2017 veröffentlichte er sein Buch „Riemen- und Schotbruch: Zu den Anfängen des Wassersports in Bremen und umzu“. Für das NISH-Jahrbuch 2017/18 steuerte Peter Wetjen einen Beitrag zum frühen Wassersport im Großherzogtum Oldenburg bei. Als im Rahmen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten 2020/21 unter dem Titel „Bewegte Zeiten, Sport macht Gesellschaft“ auch eine Schülerarbeit zum Bremer Ruderverein von 1882 im Nationalsozialismus entstand, betreute er diese Arbeit intensiv, gab Tipps und stellte sich als Interviewpartner zur Verfügung. Das konnte er umso mehr, als er jahrelang zum Team der Historischen Arbeitskreises (HAK) des Deutschen Ruderverbands (DRV) gehört hatte und dessen Archiv mitbetreute. Als das NISH ab 2022 im Auftrag des DRV eine Studie zur nationalsozialistischen Belastung des DRV-Vorstandes zwischen 1933 und 1945 anfertigte, gab Peter Wetjen bereitwillig Informationen und Hilfestellungen. Noch vor ein paar Wochen diskutierten wir über Quellen und Dokumente zum Bremer Ruderverein im Nationalsozialismus.
Dr. Peter Wetjen war ein aktives Mitglied unseres Vereins, und wir standen oft in Kontakt. Von seinem plötzlichen Tod waren wir alle sehr überrascht. Damit haben wir nicht gerechnet. Peter Wetjen wird uns sehr fehlen.
Text: apl. Prof. Dr. Dr. Bernd Wedemeyer-Kolwe (Geschäftsführer/Wiss. Leiter NISH)
Olympia-Klassentreffen nach 50 Jahren in Hannover – Medaillengewinner von 1976 feiern bei den Finals
Hannover – Ein Klassentreffen der besonderen Art hatte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am Rande der Finals vom 23. bis 26. Juli 2026 in Hannover organisiert. 50 Jahre nach den Olympischen Spielen 1976 in Innsbruck (Winter) und Montreal (Sommer) wurden die deutschen Medaillengewinner aus Ost und West zu einem Wiedersehenstreffen in die niedersächsische Landeshauptstadt eingeladen. Mehr als 100 erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler samt ihren Begleitungen folgten der Einladung des DOSB-Präsidenten Thomas Weikert.
Die ehemaligen deutschen Sport-Asse beklatschten am Freitag, den 24. Juli, zunächst die aktuellen deutschen Top-Athleten bei den Meisterschafts-Wettkämpfen (Finals) im Rudern und Turnen. Den Abend genossen die Sportgrößen von einst bei einem gemeinsamen Empfang auf der 10. Etage des Loftstyle-Hotels in unmittelbarer Nähe des Mittelland-Kanals. Die Rooftop-Bar bot nicht nur eine prima Aussicht auf Hannover, sondern auch die Gelegenheit zum ausgiebigen Fachsimpeln und Gedankenaustausch.
Medienvertreter waren zu der Veranstaltung nicht zugelassen. Was etwas verwundert, denn DOSB-Präsident Weikert und Finals-Organisator Hagen Boßdorf – ein ehemaliger ARD-Sportkoordinator – nutzten die Gelegenheit, um auch über die deutsche Olympiabewerbung zu sprechen. Auf der Teilnehmerliste, die dem Niedersächsischen Institut für Sportgeschichte (NISH) vorliegt, ist zu lesen, dass immerhin mehr als 40 Goldmedaillengewinner von vor 50 Jahren nach Hannover gekommen waren.
Den prominentesten Namen trägt dabei die ehemalige Weltklasse-Schwimmerin Kornelia Grummt-Ender. Sie hatte als 17-jähriger Teenager vier Goldmedaillen in Montreal gewonnen. Zwei Jahre später beendete sie ihre Karriere als Leistungssportlerin. Ähnlich erfolgreich wie Grummt-Ender war ihre Schwimm-Kollegin Ulrike Richter-Schmidt mit dreimal Gold. Die Ruderinnen und Ruderer aus der früheren DDR waren beim Klassentreffen besonders zahlreich vertreten. Kein Wunder: Bei den olympischen Wettbewerben im Bassin Ile Notre-Dame gewannen sie in allen 14 Bootsklassen eine Medaille, darunter neunmal die Gold-Version.
Niedersachsen wurde unter anderem durch Olympiasieger Karlheinz Smieszek aus Salzgitter vertreten. Der frühere Sportschütze ist seit 2018 auch Vorsitzender der Gemeinschaft Deutscher Olympiateilnehmer, die sich um ähnliche Treffen mit ehemaligen Olympioniken bemüht. Guido Kratschmer, der vor 50 Jahren die Silbermedaille im Zehnkampf errang, war ebenfalls angereist. Die Karriere des späteren Weltrekordlers hatte beim LAZ Südheide begonnen. Nicht anwesend waren andere bekannte Olympiasieger von 1976 wie Thomas Bach, Alwin Schockemöhle oder Waldemar Cierpinski. Sprint-Olympiasiegerin Annegret Richter wurde einen Tag später bei den Finals der Leichtathleten in Bochum-Wattenscheid geehrt.
An der olympischen Wiedersehensfeier nahmen auch die fünf Gewinner der Team D Awards 2026 teil. Der Nordische Kombinierer Johannes Rydzek, Para Ski Alpin-Athletin Anna-Lena Forster, Bobfahrer Georg Fleischhauer sowie das Rennrodel-Duo Tobias Wendl und Tobias Arlt erhielten die Auszeichnung für ihr sportlich und menschlich vorbildliches Auftreten bei den Olympischen und Para-Olympischen Winterspielen in diesem Jahr in Mailand und Cortina.
Text: Peter Hübner (Vorstand NISH)
Klassentreffen in Hannover: Die olympischen Medaillengewinner von 1976 in Innsbruck und Montreal
Kornelia Grummt-Ender (links), Olympiasiegerin 1976 im Schwimmen, und Ute Rührold, Olympia-Zweite 1976 im Rennrodeln.
Frank Ullrich (rechts), Olympia-Dritter im Biathlon, und seine Ehefrau
(Fotonachweis: Picture Alliance/DOSB)
Ehrenportal-Veranstaltung am 06.06.2026
Ehrung namhafter ehemaliger Sportlerinnen, Sportler, Persönlichkeiten des Sports und Vereine aus Niedersachsen und Bremen
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Hannover, den 6.6.2026
Am Samstag, den 6. Juni 2026, nahm das Niedersächsische Institut für Sportgeschichte e.V. (NISH) in den Räumen des in Hannover gelegenen Sparkassenverbandes Niedersachsen (SVN), der die Veranstaltung sehr großzügig unterstützt und gefördert hat, in einer Feierstunde 19 ehemalige international erfolgreiche niedersächsische Sportlerinnen und Sportler und Persönlichkeiten des Sports sowie zwei in ihrer Geschichte erfolgreiche niedersächsische und Bremer Vereine in sein Ehrenportal des niedersächsischen und bremischen Sports auf.
Zur Feierstunde waren über 40 Personen gekommen. Unter den Gästen waren Vertreterinnen und Vertreter der niedersächsischen Sportorganisationen wie André Kwiatkowski(Präsident des LandesSportBundes Niedersachsen), Reinhard Rawe (Vorstandsvorsitzender des LandesSportBundes Niedersachsen), Michael Langer (Vizepräsident des LandesSportBundes Niedersachen), Julian Jelinski (Präsident des Niedersächsischen Judo-Verbandes), Carsten Rörbein (Vizepräsident des Niedersächsischen Turner-Bundes NTB), Benjamin Chatton (Präsident des Stadtsportbundes Hannover) und Uwe Drecktrah (Präsident des Bezirksschützenverbandes Grafschaft Hoya).
Des Weiteren waren Prof. Dr. Detlef Kuhlmann, Peter Hübner, Dr. Anton Weise und Thomas Dyszack vom Vorstand des NISH sowie Wilhelm Köster, ehemaliger NISH-Vorstandsvorsitzender und Verantwortlicher des Ehrenportals, anwesend, dazu noch weitere Gäste, Freunde und Mitglieder des NISH wie Liesel Westermann-Krieg, Prof. Dr. Arnd Krüger, Wilfried Herzberg, Andreas Horn, Knut Teske und Wolfgang Philipps.
Prof. Dr. Detlef Kuhlmann begrüßte als Vorsitzender des NISH die Anwesenden und führte durch die Veranstaltung. Der Präsident des LandesSportBundes Niedersachsen, André Kwiatkowski, hielt ein kurzes Grußwort, in dem er auf die Vorbildfunktion von Leistungssportlerinnen, Leistungssportlern und Funktionsträgern für die Sportvereinskultur und den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft einging und dabei besonders auf die Gedächtnisfunktion und Erinnerungskultur zu sprechen kam, die Institutionen wie das NISH für den (niedersächsischen) Sport leisten, indem sie sporthistorisch bedeutsame Dokumente, Ereignisse und Biografien sammeln, archivieren, bereitstellen, vermitteln und sie in den gesellschaftspolitischen Zusammenhang bringen.
Durch die anschließende Ehrung führte der NISH-Vorsitzende Prof. Dr. Detlef Kuhlmann. Die Ehrungen der Sportlerinnen und Sportler übernahmen die NISH-Vorstandsmitglieder Thomas Dyszack und Peter Hübner, die Würdigungen der Persönlichkeiten der NISH-Vorsitzende Prof. Dr. Detlef Kuhlmann, und Wilhelm Köster stellte die geehrten Vereine vor. Allen wurden Urkunden und Festgeschenke überreicht.
Thomas Dyszack nahm die Ehrungen für die persönlich anwesenden Sportlerinnen und Sportler vor, mit denen er auch ins Gespräch ging: Kristina Bröring-Sprehe (Dressurreiten), Dr. Ute Baronin von Schilling (Bogenschießen) und Erik Machens (Rollstuhltanzsport). Für den aus beruflichen Gründen verhinderten Dimitri Peters (Judo) nahm dessen Trainer Volker Mitschke die Ehrung an und die erkrankte Elke Seeliger (Schießsport) wurde von Uwe Drecktrah, demPräsidenten des Bezirksschützenverbandes Grafschaft Hoya, vertreten. Anschließend ehrte Wilhelm Köster nochmal den Para-Badmintonspieler Thomas Wandschneider, der zwar bereits im Ehrenportal vertreten ist, aber nach seinem damaligen sportlichen Rücktritt noch einmal eine zweite Leistungssportkarriere aufnahm, die ihn 2024 zu einer Bronzemedaille bei den Paralympischen Spielen führte. Thomas Wandschneider selbst kommentierte seinen unter schwierigen Bedingungen vollzogenen sportlichen Werdegang mit einem berührenden Appell an alle, nie aufzugeben und gegen Widrigkeiten so gut wie möglich anzukämpfen.
Die nicht anwesenden Personen, für die auch kein Vertreter an der Ehrung teilnahm, wurden von Peter Hübner vorgestellt. Es handelte sich um Johanners Bitter und Finn Lemke (Handball), Carolin Klenner und Julia Krajewski (Pferdesport), Tim Albrecht und Annika Kriger (Faustball), Dennis Luxon (Trampolinturnen), Almuth Schult (Fußball) und Torben Schiewe (Sitzvolleyball). Anschließend würdigte Prof. Dr. Detlef Kuhlmann noch vier Persönlichkeiten des Sports: die verhinderten Dieter Fehlig (RKB „Solidarität“) und Rita Girschikowsky (Niedersächsischer Leichtathletik-Verband, Stadtsportbund Hannover), für die Benjamin Chatton, der Präsident des Stadtsportbundes Hannover, die Ehrung entgegennahm, sowie die verstorbenen Theda Hoch (Volleyball) und Willi Lemke (Fußball, Sportpolitik), für die ihre Angehörigen zur Feierstunde angereist waren.
Zum Schluss nahm Wilhelm Köster die Ehrung der beiden Vereine vor: die TSG Salzgitter und Hannover 96; für letzteren Verein nahmen zwei Vertreter der Leichtathletikabteilung die Ehrung entgegen, wobei auf den immer wieder vernachlässigten Fakt hingewiesen wurde, dass die Leichtathletik von Hannover 96 in ihrer Geschichte wesentlich mehr Erfolge erzielt hat als die Fußballabteilung.
Abschließend würdigten Prof. Dr. Detlef Kuhlmann und Prof. Dr. Dr. Bernd Wedemeyer-Kolwe (NISH-Geschäftsführung) den Verantwortlichen des Ehrenportals, Wilhelm Köster, der sein Amt nach 25 Jahren an Peter Hübner und Thomas Dyszack abgab. In dieser Zeit hat Wilhelm Köster sich mit den Leistungen, Biografen und Daten von über 300 Personen und über 20 Vereinen befasst, sie recherchiert, bewertet, aufgelistet, kontaktiert, abgefragt und aufgenommen; keine kleine Leistung, wenn man weiß, wie schwierig und zeitraubend solche intensiven Recherchen sind.
Mit der Aufnahme der Geehrten in das NISH Ehrenportal verfügt das NISH über etwa 570 ausführliche Personendossiers international erfolgreicher niedersächsischer Sportlerinnen und Sportler sowie Persönlichkeiten des Sports aus den letzten 200 Jahren und über 20 Vereine und damit über eine einzigartige Archivsammlung zur niedersächsischen Sportgeschichte. Eine Broschüre mit den sportlichen Eckdaten der Geehrten ist auf Wunsch über das NISH erhältlich.
Kontakt: Niedersächsisches Institut für Sportgeschichte e.V.
Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg 10, 30169 Hannover, Tel. 0511/1268-5060 sowie online unter www.nish.de. Email: info@nish.de Öffnungszeiten: dienstags und mittwochs, 09:00-15:00 Uhr, donnerstags 09:00 – 14:00 Uhr.
Gruppenfoto Neuaufnahmen NISH Ehrenportal am 6. Juni 2026 (Foto: Elias Dettling)
Tagung NISH / DAGS am 20./21. November 2026 im Nds. Institut für Sportgeschichte e.V. (NISH) Hannover
Migration, Integration und Identität im deutschen Sport in historischer Perspektive
Die Tagung geht der Frage nach, wie die Turn- und Sportorganisationen in den letzten 200 Jahren mit dem Spannungsfeld von Migration, Integration und Identität umgegangen sind. Inwieweit haben Migration und Integration die Identität des deutschen Sports geprägt und verändert? Oder war und ist möglicherweise eine vergleichsweise stabile Identität die Voraussetzung für die zweifelsohne erheblichen Integrationsleistungen des deutschen Sports?
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